Schönow (Landkreis Teltow-Fläming)
Thomas Schmidt
Verwaltungszugehörigkeit
Mittelmark (Teltower Kreis) – bis 1815
Regierungsbezirk Potsdam / Landkreis Teltow – 1815 bis 1894
Eingemeindung nach Zehlendorf – ab 1894
Regionale und geographische Zuordnung
Schönow war ein Dorf im Teltowischen Kreis der Mittelmark, nur wenige Kilometer von Berlin im Norden und Potsdam im Westen sowie lediglich wenige hundert Meter von Teltow im Süden entfernt gelegen. Die Feldmark grenzte im Norden an Zehlendorf, im Osten an Lichterfelde, im Süden an Teltow und im Westen an Machnow (BLHA Rep 7 Nr. 15, fol. 16r). Auch die Ackerflächen lagen in unmittelbarer Nähe des Dorfes (BLHA Rep 7 Nr. 15, nicht foliiert, Gliederungspunkt 8 Schönow).
Eine von Norden kommende Straße führte in das Dorf hinein und endete am Rittersitz, der den südlichen Abschluss der Bebauung bildete. Im Süden wurde Schönow durch die Bäke und angrenzende Feldmarken begrenzt, während sich im Norden weitere Feldfluren erstreckten. Östlich lagen der Rittersitz und dessen Ländereien, westlich die Dorfflur in Richtung Machnow. In seiner Struktur stellte Schönow somit ein typisches Sackgassendorf dar (Abb. 1-3).
Erst im Jahr 1821 verfügte das Dorf über einen eigenen Krug; eine Kirche besaß Schönow zu keiner Zeit. Die Gemeinde war daher kirchlich nach Teltow eingepfarrt und besuchte dort die Gottesdienste. Auch das Schulwesen entwickelte sich nur allmählich: Zwar wurden bereits seit den 1750er Jahren gelegentlich Lehrer in das Dorf entsandt, ein regelmäßiger und erfolgreicher Unterricht konnte jedoch erst nach den Napoleonischen Kriegen ab 1815 etabliert werden. Zuvor schickten viele Schönower ihre Kinder zum Schulbesuch nach Teltow.
Der Boden in Schönow und im gesamten Kreis Teltow galt als schwer zu bewirtschaften, da er überwiegend sandig und vielerorts sauer war (Bratring 1968, 327). Entsprechend dominierten anspruchslosere Getreidesorten wie Roggen und Hafer den Ackerbau, während Gerste und insbesondere Weizen deutlich seltener angebaut wurden. Für die Stadt Teltow und ihre unmittelbare Umgebung hob Bratring zudem die berühmten Teltower Rübchen hervor, die als die besten der Mark Brandenburg galten (Bratring 1968, 330).
Eine Besonderheit Schönows bestand darin, dass es das einzige Dorf im Kreis Teltow war, das zu einem Domänenamt gehörte und in dem sich zugleich ein Rittersitz befand (BLHA Rep 16 Nr. 21, fol. 29r f.). Die wirtschaftliche Grundlage des Dorfes bildete eindeutig der Ackerbau, während die Viehzucht lange Zeit nur eine vergleichsweise untergeordnete Rolle spielte.
Besitzerwechsel und Dorfteilung vom Spätmittelalter bis zur Reformation
Die erste urkundliche Erwähnung Schönows erfolgte im Jahr 1299 im Zusammenhang mit der Überschreibung der Stadt Teltow und angrenzender Dörfer durch Markgraf Hermann von Brandenburg an Vollrad von Krempa, den Bischof von Brandenburg (CDB A 11 S. 205 Nr. III). Im Verlauf des 14. Jahrhunderts kam es offenbar zu Auseinandersetzungen zwischen den Brandenburger Markgrafen und dem Bischof um die Herrschaft über Teltow und die umliegenden Dörfer, da beide Seiten diese Gebiete in Urkunden als ihr Eigen nannten (Schulze 1914, 20ff.).
1306 behielt sich Markgraf Hermann das Recht vor, die Getreiderenten des Heilig-Geist-Hospitals in Spandau aus Teltow und Schönow gegen entsprechende Einkünfte aus Berliner Mühlen einzutauschen (CDB A 22 S. 208 Nr. VII). Im Landbuch Kaiser Karls IV. von 1375 wurde Schönow schließlich als Besitz des Brandenburger Bischofs aufgeführt (Schultze 1940, VIII).
Zum Dorf gehörten damals 43 Hufen. Ob diese Größe bereits bei der Gründung bestand, lässt sich nicht mehr eindeutig feststellen. Für die Mark Brandenburg waren Dörfer mit mehr als 30 Hufen um 1300 eher ungewöhnlich (Assing 1995, 103). Der Dorfschulze verfügte über sechs Hufen, der Pfarrer von Teltow über zwei, während fünf Kossäten jeweils eine Hufe besaßen. Mindestens zwei weitere Hufen besaß das Heilig Geist Hospital in Spandau, 4 Hufen gehörten der nicht adeligen Familie Hönow. Über die weiteren Hufen schweigt sich das Landbuch aus. Der Hof des Schulzen war damit außergewöhnlich groß, da Dorfschulzen in Brandenburg in der Regel lediglich drei bis vier Hufen bewirtschafteten (Assing 1995, 105).
Nach dem Dreißigjährigen Krieg veränderte sich das Verhältnis zwischen Vollbauern und Kossäten erheblich. Im Jahr 1802 teilte der Magistrat von Teltow mit, dass elf Hufen zum Rittersitz beziehungsweise Vorwerk der Familie von Wilmersdorff gehörten, während sich sieben Vollbauern 30 Hufen teilten. Weitere zwei Hufen entfielen auf sechs Tagelöhner und zwei Hirten (BLHA Rep 19 Nr. 3551, fol. 26r). Im Vergleich zu anderen märkischen Dörfern ähnlicher Größe war der Anteil an Kossäten in Schönow bemerkenswert gering, aus manchen Verzeichnissen geht hervor, dass zeitweise gar keine Kossäten im Dorf wohnten.
Ab dem 15. Jahrhundert setzte ein Teilungsprozess des Dorfes ein. Das Schoßregister von 1450 nennt mehrere Besitzer. Zwar gehörte der größte Teil weiterhin dem Bischof, doch acht Hufen wurden als markgräfliches Lehen an Peter von der Liepe und Pletz vergeben (Fidicin 1856, 255ff.). Die Familie von der Liepe besaß bereits um 1416 mindestens zwei Hufen in Schönow, wie eine Lehensregistratur Markgraf Friedrichs I. belegt (CDB C 1 S. 47 Nr.52). Zudem wurde ein Simon Pleß 1432 mit Getreidehebungen aus Schönow belehnt (CDB A XI Nr. LXIII).
Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts wiederholten sich solche Belehnungen mehrfach.
Wann genau das Bistum seinen Besitz in Schönow verlor, lässt sich anhand der Quellen nicht eindeutig rekonstruieren. Um 1540 ist jedoch eine Vierteilung des Dorfes erkennbar, die bis ins 19. Jahrhundert Bestand hatte: Der Magistrat von Spandau besaß einen Vierhufenhof, die Familie von der Liepe zunächst sieben und ab 1536 zehn Hufen, während das Amt Ziesar den größten Anteil am Dorf hielt. Dessen Hufenzahl veränderte sich bis ins 17. Jahrhundert mehrfach. Den vierten Teil besaß schließlich die evangelische Kirche in Form von zwei Hufen.
Im 18. Jahrhundert erreichte Schönow hinsichtlich seiner Besitzverhältnisse eine Phase bemerkenswerter Stabilität. Das inzwischen dem Amt Potsdam unterstellte Domänendorf umfasste 29 Hufen, der Rittersitz elf, der Spandauer Hof vier und der Pfarrhof zwei Hufen.
Die zunehmende Etablierung der Gutsherrschaft im 16. Jahrhundert wirkte sich auch auf Schönow aus. Zwar lassen sich die 1518 eingeführten Gesindedienste der Untertanenkinder auf dem Gutshof nicht direkt nachweisen, doch sprechen Patenschaften der Gutsherren für Bauernkinder für entsprechende Abhängigkeiten. Welche Rechte die dort arbeitenden Menschen besaßen, bleibt allerdings unklar. Auch sind keine Gerichtsprozesse überliefert, sodass sich mögliche Vorrechte der adligen Gutsherren bezüglich ihrer Untertanen nicht eindeutig nachvollziehen lassen.
Die Bauern, die den Domänenämtern Ziesar oder Potsdam beziehungsweise dem Magistrat von Spandau unterstanden, konnten dagegen den Rechtsweg beschreiten und machten hiervon in mehreren Fällen Gebrauch. Ob den Bauern Schönows ab 1536 – wie vielerorts in der Mark Brandenburg – untersagt wurde, ohne Zustimmung der Obrigkeit wegzuziehen (Korn 1873, 14ff.), lässt sich nur indirekt beantworten. Für das 17. Jahrhundert zeigt sich jedenfalls, dass die Wirren des Dreißigjährigen Krieges eine konsequente Durchsetzung solcher Regelungen nahezu unmöglich machten. Zwar kehrten nach dem Krieg einige zuvor verschwundene Familien wieder nach Schönow zurück, doch gibt es keine Hinweise darauf, dass dies unter Zwang geschah.
Etablierung der unterschiedlichen Dorfteile bis 1830
Mit seinen 41 bis 46 Hufen gehörte Schönow zu den größeren Dörfern des Teltowischen Kreises, der überwiegend von kleineren Siedlungen geprägt war (Escher 1985, 24) Nach dem Dreißigjährigen Krieg verteilten sich diese Hufen jedoch lediglich auf acht Bauernstellen, einen Pfarrhof und einen Rittersitz. Dadurch entstanden vergleichsweise große Höfe, während die Einwohnerzahl bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts unter einhundert Personen blieb.
Auffällig war zudem die geringe Zahl an Kossäten zwischen 1600 und 1800, was angesichts der Größe der Feldmark ungewöhnlich erscheint. Die Vollbauern stellten die wichtigste bäuerliche Schicht des Dorfes dar. In der Regel handelte es sich um Familien, die bereits seit dem Mittelalter in Schönow lebten oder als Siedler das Land erschlossen hatten (Kaak 2019, 114). Gemeinsam bildeten sie die Dorfgemeinschaft, wobei auch neu zugezogene Bauern problemlos aufgenommen wurden, was sich daran erkennen lässt, dass auch neu hinzugezogene Familien nach einer oder zwei Generationen langen Zugehörigkeit zum Dorf auch Dorfschulzen wurden.
Der Schönower See, auch Stavernsee genannt, gehörte den Inhabern der Rittersitze von Teltow und Schönow (BLHA Rep 78 Nr. 122, fol. 330r). Fischern aus Teltow – die teilweise auch in Schönow lebten – blieb jedoch das Fischereirecht erhalten. Holz musste im Bedarfsfall aus dem Spandauer Forst herangeschafft werden, was zum Beispiel beim Dorfbrand Schönows 1774 der Fall war (BLHA Rep 2 D Nr. 15578 fol. 24r). Wer die Kosten für den Transport trug, hing von den jeweiligen Umständen und der Zeit ab; zudem mussten die Schönower hierfür Fuhrdienste leisten, dies hing wiederum vom Dorfteil ab: Im Umfeld des Dorfbrandes von Schönow wurden Fuhrdienste für die Kurmärkische Kammer gefordert, doch die betroffenen Schönower konnten diesen erst nach dem Wiederaufbau ihrer Häuser nachkommen.
Trotz fehlender überlieferter Dorfordnungen lässt sich innerhalb der Bauerngemeinde eine bemerkenswerte Geschlossenheit erkennen. Dies ist besonders deshalb interessant, weil einzelne Bauernstellen unterschiedlichen Grundherren unterstanden. Offenbar spielte es im Alltag der Dorfgemeinschaft nur eine untergeordnete Rolle, welchem Herrn die einzelnen Bauern verpflichtet waren. Dafür spricht auch, dass zu Beginn des 19. Jahrhunderts sogar der Bauer des Spandauer Hofes zum Dorfschulzen gewählt wurde.
Innerhalb der Gemeinde wurden die Bauern der verschiedenen Dorfteile offenbar von den Obrigkeiten gleichbehandelt. Ein Bauer der den Rittersitz bewohnte war hierarchisch dem Bewohner des Domänendorfes gleichgestellt. Anders als in vielen anderen märkischen Dörfern repräsentierten die Familienoberhäupter der acht Bauernstellen die gesamte Dorfgemeinschaft (Kaak 2010, 353).
Der Dreißigjährige Krieg führte dazu, dass einige Familien ausstarben, andere das Dorf verließen und erst später zurückkehrten. Dadurch entstand eine erhebliche soziale Fluktuation. Im Domänenteil wurden seit 1698 keine Frondienste mehr verlangt; stattdessen wandelte man sie in Geldleistungen um. Warum dieser Schritt bereits so früh erfolgte, ist nicht bekannt. Bauer und Matis sehen in der Einführung des Dienstgeldes den Versuch der Grund- und Gutsherren, stärker an den Markteinnahmen der Bauern zu partizipieren (Bauer/Matis 1989, 64). Ein Beweis für hohe Markteinnahmen fehlt für diese Zeit jedoch. Verglichen mit anderen märkischen Dörfern nahm das Domänenamt Potsdam damit eine Vorreiterrolle für eine Praxis ein, die andernorts erst Mitte des 18. Jahrhunderts eingeführt werden sollte.
Mit der allmählichen Überwindung der Kriegsfolgen erlebte besonders das Domänendorf eine lange Phase wirtschaftlicher und sozialer Stabilität. Die konstante Zahl der Höfe, ihre gleichbleibende Größe sowie die dauerhafte Bewirtschaftung durch dieselben Familien, die ab dem 18. Jahrhundert einsetzte, deuten darauf hin, dass Konflikte zwischen Amt und den Domänenbauern nur selten auftraten. Diese Entwicklung deckt sich mit ähnlichen Befunden aus anderen Domänendörfern Brandenburgs. Die jeweils im Spandauer Hof wohnhaften Familien hatten jedoch weiterhin mit Pachtrückständen und der Anhäufung von Schulden zu kämpfen (Schmidt 2025, 241ff.), zur Bauernfamilie auf dem Rittersitz liegen keine verlässlichen Angaben vor.
Die frühe Einführung des Dienstgeldes und die Abschaffung der Frondienste dürften wesentlich zu dieser stabilen Entwicklung beigetragen haben. Im Verlauf des 18. Jahrhunderts gelang es mehreren Bauernfamilien, einen gewissen Wohlstand zu erreichen. Spätestens bis 1780 konnten sich einige, möglicherweise sogar alle Familien ihre Höfe erb- und eigentümlich aneignen. (Abb. 4)
Die Bereisungsprotokolle des Amtes Potsdam, die ab etwa 1770 vorliegen, zeigen, dass Schönow zwischen 1740 und 1797 eine Phase guter Ernten, pünktlich entrichteter Abgaben und dauerhaft besetzter Höfe erlebte, so wurde zum Beispiel 1779 dort erwähnt, dass die Bauern des Domänendorfes keinerlei Schulden aufwiesen (BLHA Rep 7 Nr. 15, nicht foliiert, Gliederungspunkt 8 Schönow). Erst die Missernten ab 1797 führten zu einem raschen wirtschaftlichen Einbruch, der mindestens bis 1815, also die gesamte Zeit der Napoleonischen Kriege und Befreiungskriege anhielt (BLHA Rep 7 Nr. 20 fol. 4r.)
Öffnung des Dorfes für neue Produktionszweige bis zur Flutung
Im Zuge der napoleonischen Kriege und der in dieser Zeit zu verzeichnenden Missernten wurde es für die Bauern zunehmend schwieriger, ihre Höfe erfolgreich zu bewirtschaften. Zugleich mehrten sich Beschwerden über die obrigkeitlichen Veränderungen jener Jahre. So lehnten die Schönower beispielsweise die zwischen 1824 und 1827 geplanten Separationsmaßnahmen ab.
1828 erscheint in den Kirchenbüchern erstmals die Berufsbezeichnung „Milchpächter“ (ELAB Film 3353, Bl. 27). Dies deutet auf eine zunehmende Differenzierung der Landwirtschaft hin. Mit der ab 1830 einsetzenden Erschließung des Dorfes durch andere Produktionszweige, wie das errichten einer Papierfabrik, eines kleinen Hafens und schließlich einer Nervenheilanstalt verlor Schönow allmählich sein rein landwirtschaftlich geprägtes Erscheinungsbild.
Auch der Rittersitz erfuhr tiefgreifende Veränderungen. Nachdem die Familie von Wilmersdorff 1802 in männlicher Linie ausgestorben war, wurde das Gut 1806 an den Baron von Eckardtstein verkauft. Da ihm eine gewinnbringende Bewirtschaftung nicht gelang, ging der Besitz bereits 1817 an den preußischen Beamten Weber über – erstmals also an einen Bürgerlichen. 1840 gelangte das Gut schließlich an die Familie von Kretschmann (Rach 1988, 304). Der Erwerb adliger Güter durch Bürgerliche war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in vielen deutschen Regionen zu beobachten (Rosenberg 1969, 13f.); auch Eckardtstein und Kretschmann waren Bürgerliche, die erst wenige Jahre zuvor (1799 bzw. 1801) geadelt worden waren. Robert Berdahl wertete dies als Zeichen der wachsenden wirtschaftlichen Stärke des wohlhabenden Bürgertums (Berdahl 1982, 160).
1850 wurde der Rittersitz schließlich parzelliert. Während ein Teil weiterhin als Wohnsitz diente, entstand auf einem anderen Teil eine Papierfabrik.
Auch die Höfe des Domänendorfes und des Spandauer Magistrats wurden zunehmend anders genutzt. Der Teltower Kaufmann Krause erwarb einen der Vierhufenhöfe, der ab 1851 unter dem Namen „Schweizerhof“ bekannt wurde. Dort entstand eine Nervenheilanstalt für Frauen, die zahlreiche Arbeitsplätze schuf und das Dorf nachhaltig veränderte. Die Einwohnerzahl Schönows verdreifachte sich nahezu; 1858 wurden bereits 272 Einwohner gezählt (Rach 1988, 305).
Mit der Papierstofffabrik und der Nervenheilanstalt siedelten sich erstmals Berufszweige in Schönow an, die hier zuvor unbekannt gewesen waren. Dafür wurden in der Regel die Grundstücke verlassener Höfe genutzt oder aber der alte Rittersitz. Die Landwirtschaft blieb zwar bestehen, verlagerte ihren Schwerpunkt jedoch zunehmend auf die Viehzucht. Für viele Bauern erwies sich dies offenbar als wirtschaftlicher Vorteil. Einige bis heute erhaltene Gebäude aus dieser Zeit deuten darauf hin, dass die Familien zu beträchtlichem Wohlstand gelangten (Rach 1988, 306f.).
Der Spandauer Hof endete unter tragischen Umständen. Johann Friedrich Schmelz, der den Hof über viele Jahre bewirtschaftet hatte, nahm sich 1846 das Leben. Die Gründe hierfür lassen sich heute nicht mehr rekonstruieren. Weder familiäre Konflikte noch finanzielle Schwierigkeiten sind überliefert. Nach seinem Tod verließen die Hinterbliebenen offenbar bald das Dorf, während die Familie Haupt den Hof bis zu seinem Verkauf im Jahr 1854 übergangsweise bewirtschaftete.
Die Verbindungen nach Teltow verloren im Laufe des 19. Jahrhunderts zunehmend an Bedeutung. Mit dem Ausbau der Eisenbahn – insbesondere in Zehlendorf – orientierten sich die Bewohner Schönows immer stärker nach Norden. Die Beziehungen zu Zehlendorf wurden schließlich so eng, dass Schönow 1894 nach Zehlendorf eingemeindet wurde (Rach 1988, 307).
Der Bau des Teltowkanals und die damit verbundenen tiefgreifenden Veränderungen im südlichen Teil des Dorfes führten schließlich dazu, dass Schönow als eigenständiger Ort verschwand. (Abb. 5)
Überschwemmungen und großflächige Umgestaltungen veränderten die Landschaft dauerhaft. Heute erinnern lediglich noch vier ehemalige Höfe als erkennbare Grundstücke an das einstige Dorf.
Quellen
Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA)
BLHA Rep 2 D Nr. 15578 fol. 24r Brief vom 17.06.1774 des Oberlandrates Seidel an die Kurmärkische Kriegs- und Domänenkammer.
BLHA Rep 7 Potsdam Nr. 15 Bereisungsprotokoll des Amtes Potsdam 1779.
(BLHA Rep 7 Nr. 20 Bereisungsprotokoll des Amtes Potsdam 1797.
BLHA Rep 7 Potsdam Nr. 532 Brief vom 28.10.1830 der Kurmärkischen Kriegs- und Domänenkammer an das Amt Mühlenhof.
BLHA Rep 7 Berlin-Mühlenhof Nr. 928 BLHA Rep 7 Berlin-Mühlenhof Nr. 928.
BLHA Rep 16 Nr. 21 Nachlass von Bratring, Friedrich Wilhelm: Topographische Nachrichten von der Mark Brandenburg. Band X, um 1787.
BLHA Rep 19 Potsdam Nr. 3551 Actum Amt Potsdam vom 14.01.1802.
BLHA Rep 78 Kurmärkische Lehenskanzlei Nr. 122 Konsensbrief mit Georg von der Liepe, Esto Mihi 1609.
Evangelisches Landeskirchenarchiv (ELAB)
Taufbuch der St. Andreas Kirche in Teltow 1805-1912, ELAB Mikrofilmnr. 3553, Bl. 27, Eintrag 1 1828.
Fidicin, Ernst (Hrsg.): Kaiser Karls IV. Landbuch der Mark Brandenburg. Berlin 1856. [Siehe: Hier]
Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellenschriften für die Geschichte der Mark Brandenburg und ihrer Regenten. 4 Hauptteile A-D mit 35 Bde. 1 Supplement-Bd. 5 Register-Bde. Herausgegeben von Adolph Friedrich Riedel. Berlin 1838-1869. Hier: Band XL. Berlin 1856, S. 205 [Zitiert als CDB] [Siehe: Hier]
Bratring, Friedrich Wilhelm: Statistisch-topographische Beschreibung der gesamten Mark Brandenburg. Kritisch durchgesehene und verbesserte Neuausgabe von Otto Büsch und Gerd Heinrich mit einer biographisch-bibliographischen Einführung und einer Übersichtskarte von Gerd Heinrich (Veröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin; 22). Berlin 1968.
Literatur
Assing, Helmut: Die Landesherrschaft der Askanier, Wittelsbacher und Luxemburger (Mitte des 12. bis Anfang des 15. Jahrhunderts). In: Materna, Ingo / Ribbe, Wolfgang (Hrsg.): Brandenburgische Geschichte. Berlin 1995, S. 85-168.
Bauer, Leonhard / Matis, Herbert: Geburt der Neuzeit. Vom Feudalsystem zur Marktgesellschaft. München 1989.
Berdahl, Robert M.: Junker and Burgher. Conflicts Over the Purchase of Rittergüter in the Early Nineteenth Century. In: Mentalitäten und Lebensverhältnisse. Rudolf Vierhaus zum 60. Geburtstag. Göttingen 1982, S. 160-172.
Böcker, Heidelore: Die Festigung der Landesherrschaft durch die hohenzollernschen Kurfürsten und der Ausbau der Mark zum fürstlichen Territorialstaat während des 15. Jahrhunderts. In: Materna, Ingo / Ribbe, Wolfgang (Hrsg.): Brandenburgische Geschichte. Berlin 1995, S. 169-230.
Escher, Felix: Berlin und sein Umland - zur Genese der Berliner Stadtlandschaft bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Berlin 1985.
Kaak, Heinrich: Eigenwillige Bauern, ehrgeizige Amtmänner, distanzierte fürstliche Dorfherren. vermittelte Herrschaft im brandenburgischen Alt-Quilitz im 17. und 18. Jahrhundert. Berlin 2010.
Kaak, Heinrich: Agrargeschichte Barnim. In: Heine, Brigitta / Neitmann, Klaus (Hrsg.): Der Landkreis Barnim. Berlin 2019, S. 113-137.
Korn, L.: Geschichte der bäuerlichen Rechtsverhältnisse in der Mark Brandenburg von der Zeit der deutschen Kolonisation bis zur Regierung des Königs Friedrich I. (1700). In: Zeitschrift für Rechtsgeschichte 9 (1873), S. 1-44
Rach, Hans Jürgen: Die Dörfer in Berlin. Berlin 1988.
Rosenberg, Hans: Probleme der deutschen Sozialgeschichte. Frankfurt a. M. 1969.
Schmidt, Thomas: Schönow 1600 bis 1830 – geteiltes Dorf, vereinte Dorfgemeinde. Potsdam 2025. [Siehe: Hier]
Schultze, Johannes (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Berlin 1940.
Schulze, Hans: Zur Geschichte des Grundbesitzes des Bistums Brandenburg. In: Jahrbuch für Brandenburgische Kirchengeschichte Band XI/XII (1914), S. 20-25.
Abbildungsnachweis
Abb. 1 Gemeinfrei.
Abb. 2 Rach, Hans-Jürgen: Die Dörfer in Berlin, Berlin 1988, S. 304.
Abb. 3 Historischer Atlas Berlin-Zehlendorf, Berlin 1992.
Abb. 4 Schmidt 2025.
Abb. 5 Gemeinfrei.
Empfohlene Zitierweise
Schmidt, Thomas: Schönow (Landkreis Teltow-Fläming), publiziert am 04.06.2026; in: Historisches Lexikon Brandenburgs, URL: http://www.brandenburgikon.de (TT.MM.JJJJ)
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Themen: Herrschaft und Verwaltung - Ländlicher Raum